| Eine Fahrt des ersten Urner Automobilisten auf der Axenstrasse ... | ||
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Heute Geschichte |
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Dr. Wilhelm Kesselbach,
der erste Urner Automobilist, schildert im Jahre 1911 in der
Touristenzeitung "Gotthard-Express" (Gotthard-Express, No. 5,
20. Juli 1911) eine Autofahrt auf der Axenstrasse. Als Gast hat er in
seiner Benzindroschke einen alten ehemaligen Studienkollegen. Dieser
entpuppt sich in der Erzählung als Automobilgegner, und dieser spricht
wohl stellvertretend für viele seiner Zeitgenossen. Herr Kesselbach
trifft somit auf automobilfeindliche Gesinnungen bei seinem Fahrgast wie
auch bei den Passanten: "... ich streifte seine Züge hie und da mit
prüfendem Blick, denn ich erwartete irgendeinen Lobspruch aus seinem
Munde, sei es über die Vorzüge meines modernen Vehikels, sei es über
die Schönheit der Landschaft. Doch es geschah nichts dergleichen. Im
Gegenteil, mein Freund murmelte etwas über die Poesie der alten
Postkutsche in seinen ungepflegten Schnurrbart; auch machte er mich auf
einige Fussgänger aufmerksam, die mit einer Gebärde der Angst, des
Hasses, der Empörung sich abwandten, wenn unser Fuhrwerk sich näherte,
obgleich wir weder rasten, noch rauchten, noch stanken, noch Staub
aufwirbelten, denn es hatte am Morgen ausgiebig geregnet." Die
Antipathien des Volkes gegenüber dem Automobil bekommen scheinbar also
auch die ersten einheimischen Automobilisten zu spüren, ja Dr. Kesselbach
scheint sogar zu glauben, dass sich die Rindviecher gegen ihn und sein
"Benzinschnauferl" verschworen haben: "In diesem Moment
sperrte eine Kuhherde uns den Weg und wir hatten mit derselben einen längeren
Kampf zu bestehen, denn die dummen Viecher wollten absolut weder nach
links noch nach rechts ausweichen." Ist der Weg auf der Strasse frei,
dann verhindert häufig eine Panne ein Weiterkommen. Wenn sich beim
Fuhrwerk die Pferde gegen die Absichten des Kutschers sträuben, helfen
vielfach Worte und Gebärden. Beim Automobil sind jedoch technische
Kenntnisse gefragt. Manche der frühen Automobilisten stehen nun aber der
modernen Technik so hilflos gegenüber, dass sie bei einer Panne nichts
anderes als aufmunternde Worte zur Maschine sprechen können, jedoch hier
mit dem Unterschied, dass Worte allein bei der nüchternen, unpersönlichen
Technik wohl nur in den allerseltensten Fällen Aussicht auf Erfolg haben
können: "Mein Schnauferl ist sonst ein gutes Haustier; wenn es seine
anderthalb Dutzend Pferdekräfte recht zusammennimmt, fährt es recht
sauber und schneidig davon. Aber hie und da hat es doch seine Faxen und
Launen, obwohl es nicht weiblichen, sondern sächlichen Geschlechtes ist;
dann steht es plötzlich bockstill: man muss nun absteigen, einige
freundliche Worte mit ihm sprechen, auch etwa die künstliche Atmung und
andere heilkräftige Handgriffe versuchen, worauf es wieder Raison annimmt
und friedlich von dannen troddelt." In diesem Artikel malt Herr
Kesselbach von der Axenstrasse aus auch die Landschaft des Reusstales in
schwärmerischen Worten. Sind die anschliessenden Zeilen in der
Touristenzeitung auch als Werbung für das stille Urnerland gedacht, so
zeichnet der erste Urner Automobilist doch eine Landschaft, welche das
Automobil damals noch nicht zu stören scheint: "Da lag es im warmen
Glanz der Abendsonne, das schöne Urnerländchen, hineingebettet in die
Felsenwiege der Hochalpen, bewacht und behütet vom Bristenstock, der treu
und trotzig zu seinen Häuptern Wache steht. Ein feiner, durchsichtiger
Nebelschleier wogte wie eine warme Decke über dem grünen Gefilde des
Reussdeltas auf und nieder; schon blitzten da und dort wie Leuchtkugeln
einzelne Lichter auf, indess die Berge noch im klaren Sonnenlicht
funkelten und lohten. Schwere, dunkle, goldgeränderte Wolken segelten
langsam am Horizonte dahin. Der See lag wie eine dunkelgrüne Glastafel
tief unter unseren Füssen. Ein paar Kähne, von deren Rudern es bei jedem
Schlage wie flüssiges Silber tropfte, bewegten sich schier unmerklich auf
seiner Fläche. Vom nahen Flüelen drangen gedämpft die Töne eines
Kurorchesters herüber; war es ein Menuett, ein Madrigal oder ein
venetianisches Gondellied?" |
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| Literatur: Gotthard-Express, No. 5, 20. Juli 1911; Rolf Gisler-Jauch, Uri und das Automobil - des Teufels späte Rache ?, S. 39 ff. |
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© Gemeinde Flüelen / Phideau & Fido Letzte Aktualisierung: 14.9.2002 Übersicht: www.fluelen.ch |
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