| Emil Huber-Stockar | |
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Emil
Huber wurde am 15. Juli 1865 als Sohn von Peter Emil Huber und der Anna
Maria, geborene Werdmüller, in Zürich geboren. Sein Vater war der Gründer
der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO). Im April 1886 nahm Emil Huber das
Maschineningenieur-Studium an der ETH in Zürich auf. Hier erlebte er
eindrücklich das Erwachen einer neuen Richtung im Reich der Technik: der
Elektrotechnik. Am Schluss des Sommersemesters 1888 verliess Emil Huber
die ETH, nachdem er in der Minimalzeit, als Erster der Klasse das
Maschineningenieur-Diplom erworben hatte. Nach einer zweijährigen
Werkstatt- und Büropraxis in der Maschinenfabrik Oerlikon begab er sich
zu einem Studienaufenthalt nach Nordamerika. Er stand dort vor allem im
Dienste der Westinghouse Electric & Manufacturing Company in
Philadelphia, einem der ältesten und bekanntesten Unternehmen in der
amerikanischen Elektrizitätsindustrie. Die stark entwickelte elektrische
Industrie machte auf Ingenieur Huber grossen Eindruck und er sah die
Zukunftsmöglichkeiten voraus. "Denn mit dem unverkennbaren populärer
Werden der Elektrizität werden die elektrischen Kleinmotoren mehr und
mehr aufkommen und ein Feld von Massenfabrikation zu einem gewissen Grad
eröffnen", schrieb er 1891 seinem Vater. Auf amerikanischem Boden
wurde der Maschinen- noch Elektro-Ingenieur. Ein Gebiet fesselte ihn
besonders: die Strassenbahnen, welche in den USA in rascher Reihenfolge
entstanden. In Amerika vernahm Emil Huber vom Austritt des Chefelektrikers
der väterlichen Maschinenfabrik Oerlikon, C.E.L. Brown, und seines
Kollegen Ingenieur Boveri. Nach
Zürich zurückgekehrt, heiratete Emil Huber im Jahre 1895 Helene Stockar.
Beruflich nahm Emil Huber im väterlichen Unternehmen die Stelle von Brown
als Direktor und Leiter der Elektrischen Abteilung ein. Der junge Direktor
richtete von allem Anfang an sein Hauptaugenmerk auf die
Entwicklung der Abteilung für elektrische Bahnen. Der Wettlauf nach der
Vorherrschaft einer der drei Stromarten machte sich auch bei der
elektrischen Traktion geltend. Zuerst beherschte der Gleichstrom (Strassenbahnen)
das Feld, bald trat der Drehstrom (Bergbahnen) ihm zur Seite. Schliesslich
arbeitete sich, auch unter dem Einfluss von Emil Huber der
Einphasenwechselstrom für Vollbahnelektrifizierungen in der Schweiz und
vielen anderen Staaten an die Spitze. Anfang
des Jahres 1902 machte Emil Huber-Stockar den SBB den Vorschlag, diese möge
der MFO die Strecke Seebach-Wettingen zur Ausführung eines
Versuchsbetriebes mit elektrischer Traktion zur Verfügung stellen. Die
MFO erklärte sich bereit, den Versuch auf eigene Kosten durchzuführen.
Die SBB nahmen den Vorschlag an, Huber-Stockar begann sofort mit dem Bau
der Fahrleitung. Zusammen mit der Schweizerischen Lokomotoiv- und
Maschinenfabrik Winterthur wurde mit dem Bau der elektrischen Lokomotive
begonnen. Obwohl sich der Betrieb der Teststrecke bewährte, konnten sich
die SBB jedoch nicht entschliessen, die Anlage samt Lokomotiven zu übernehmen.
1909 wurde deshalb der elektrische Betrieb Seebach-Wettingen nach fünfjähriger
Dauer eingestellt und die Anlagen abgebrochen. Bald nach diesem Entscheid
verliess Huber-Stockar das väterliche Unternehmen, um sich voll und ganz
der Arbeit innerhalb der "Schweizerischen Studienkommission für
elektrischen Bahnbetrieb" zu widmen. Die SBB entschieden sich in der
Folge zu Gunsten der Elektrifikation und es kam im Jahre 1912 zur Gründung
einer neuen "Dienstabteilung für die Einführung der elektrischen
Zugförderung" bei der Generaldirektion der Bundesbahnen. Emil
Huber-Stockar übernahm die Leitung dieser Abteilung. Im
Jahre 1913 erfolgte die erste Kreditbewilligung durch den Verwaltungsrat
der SBB für die Elektrifizierung der Steilrampe der Gotthardstrecke
Erstfeld-Göschenen. In die Vorbereitungsrabeiten fiel am 1. August 1914
jedoch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der anfänglich zum Unterbruch
aller Arbeiten führte. Emil Huber-Stockar rückte als Artillerie-Oberst
zum Aktivdienst nach Andermatt ein. Die Arbeiten wurden jedoch reduziert
weiter geführt. Während den Kriegsjahren gingen die Kohlenzufuhren immer
mehr zurück, die Bundesbahnen mussten ihre Fahrleistungen immer mehr
reduzieren. An Sonntagen ruhte der Eisenbahnverkehr vollkommen. Im
Jahre 1919 war es dann soweit. Am 7. Juli fuhren die ersten elektrisch geführten
Züge der SBB von Thun her in den Bahnhof der Bundesstadt ein. In der
Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 1920 wurden zum ersten Mal die
Generatoren im Kraftwerk Ritom mit halber Spannung 7500 V auf die
Fahrleitung im Gotthard-Tunnel geschaltet: Die ersten elektrisch geführten
Züge fuhren in dieser Nacht durch den Gotthard-Tunnel. Die
Elektrifikation schritt in der Folge beidseits des Tunnels nach Süden und
Norden vorwärts. Am 29. Mai 1921 war es soweit: Die Strecke Erstfeld –
Bellinzona stand in elektrischem Betrieb. Ein Jahr später, am 28. Mai
1922, rollte kurz vor 9 Uhr vormittags der erste elektrisch geführte Zug
von Goldau in die Bahnhofshalle von Luzern. Die ganze Strecke Luzern –
Chiasso der ehemaligen Gotthardbahn stand im elektrischen Betrieb. 1925 legte Huber-Stockar seine Stelle als Oberingenieur für Elektrifikation nieder. In der Folge beschäftigte er sich als Präsident des Schweizerischen Komitees der Internationalen elektrotechnischen Kommission (IEC). Emil Huber-Stockar starb in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1939 im 74. Altersjahr. Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, war der Bahnbetrieb vom Bezug der Kohle aus dem Ausland weitgehend unabhängig geworden. Verkehrsbeschränkungen gab es während dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Anstelle der schwarzen Kohle war die einheimische weisse getreten. Im Jahre 1960 wurde schliesslich mit der Strecke Cadenazzo-Pino-Luino am Ostufer das Lago Maggiore die letzte Strecke auf elektrischen Betrieb umgestellt. |
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